Mit dem Schwerpunktthema "Systemintegration – Motor für die Vernetzte Operations-führung" haben der gemeinnützige Verein AFCEA Bonn e.V. und IT-AmtBw die Reihe der gemeinsamen „Koblenzer Fachtagungen“ auch 2011 erfolgreich fortgesetzt. Die Veranstaltung unter der Schirmherrschaft des Oberbürgermeisters der „IT.Stadt“ Koblenz, Prof. Dr. Joachim Hofmann-Göttig, brachte erneut über 400 Besucher aus Bundeswehr, Wissenschaft und Wirtschaft mit internationalen Experten in der Falckensteinkaserne zusammen.
Generalleutnant Carl-Hubertus von Butler, Befehlshaber des Heeresführungskommandos, betonte in seinem Grußwort die Bedeutung der Fachtagung. Sie sei eine „hochkarätige Veranstaltung“, weil sie zeige, was bei vernetzter Operationsführung bereits erreicht worden sei, aber auch, was noch „vor uns“ liege. Generalmajor Erich Staudacher, Vorsitzender von AFCEA Bonn e.V., ergänzte diese Aussage und stellte fest, dass es notwendig sei, über den eigenen Zaun zu schauen, denn Systemintegration werde die Bundeswehr auch in den kommenden Jahren begleiten. „Es ist wichtig, so viele Perspektiven wie möglich zusammenzubringen“, bestätigte auch Air Vice-Marshal Steve J. Hillier vom britischen Verteidigungsministerium. Aus diesem Grund stellten der Banken-Systemintegrator FIS Cordoba und die ING DiBa beispielhaft die Herausforderungen und Lösungen der Bankenbranche mit ihren IT-Systemen zum Vergleich vor.
Unterschiedliche Forderungen treffen aufeinander
Für die Einsatz-IT trafen in diesem Jahr sehr unterschiedliche Forderungen aufeinander. Generalmajor Wolf-Dietrich Kriesel, Stellvertreter des Befehlshabers des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr, forderte bei sämtlichen Lösungen für den Einsatz, stärker an den Nutzer und Menschen zu denken. „IT-Lösungen im werden im Einsatz weder von „Nobelpreisträgern noch von IT-Nerds“ bedient“, stellte er fest. Zu den Qualitätsmerkmalen einer gelungenen Systemintegration gehörten nach seiner Auffassung die intuitive und einfache Bedienbarkeit, eine schnelle und verlässliche Verfügbarkeit sowie ein rascher Austausch im Schadensfalle.
Dies bestätigte auch Generalleutnant Dieter Naskrent, Kommandeur Kommando Operative Führung Luftstreitkräfte. Er forderte einen zuverlässigen Kommunikationsverbund für vernetzte und eingestufte Informationen sowie einen medienbruchfreien Wechsel zwischen unterschiedlich eingestuften Informationen. „IT muss die Lösung sein und darf nicht zum Problem werden. Gemeinsame Schnittstellen und Standards - aber auch eine einheitliche Begriffswelt müssen dafür geschaffen werden“, ergänzte der General.
Geschwindigkeit und Gleichzeitigkeit bestimmen die Anforderungen
Deutlich wurde in den verschiedenen Beiträgen, dass viele Einsatzszenarien immer stärker von Geschwindigkeit und Gleichzeitigkeit getrieben werden. Durch das Ziel, schneller als der Gegner sein zu wollen, müssten die Führungsinformationssysteme dabei unterstützen, die Zeit zwischen Aufklärung, Entscheidung und Wirkung zu verkürzen. Nach General Naskrent reduziere sich dieser Prozess mittlerweile fast bis zur Gleichzeitigkeit.
Ein Ende dieser Beschleunigung sei derzeit noch nicht absehbar, stellte Kevin Cogan, Colonel US. Army (ret), Ciber Project Manager Center for Strategic Leadership des US Army War College, fest. Viele technischen Trends entwickelten sich nach wie vor exponentiell, etwa bei Prozessorleistung, Bandbreite oder neuen IT-Produkten. Ziel müsse daher Automatisierung überall in der Informationsverarbeitung sein, um – wo nötig – für menschliche Entscheidungen etwas Zeit zu gewinnen. Die Herausforderung sei dabei, am Ende die „richtigen Informationen“ herauszufiltern.
Lösungsansätze beim Afghanistan Mission Network
Ein Beispiel, wie diese Forderungen umgesetzt werden können, ist das Afghanistan Mission Network (AMN), waren sich die Vortragenden einig. Die dort erarbeiteten Standards könnten jetzt auch für künftige Lösungen dienen. „Die NATO macht sich bereits Gedanken zu einem Future Mission Network“, wie Major General (ret) Georges D’hollander, General Manager NATO C3 Agency, ausführte. Insgesamt sei bei der Systemintegration und der vernetzten Operationsführung vieles erreicht worden, und es gebe viele Fortschritte, fasste der AFCEA-Vorsitzende, Generalmajor Staudacher, die Fachtagung zusammen. „Doch wir können vieles besser machen“, schloss er.
Die Besucher der Fachtagung konnten in diesem Jahr modernste Informations- und Kommunikationssysteme der Bundeswehr selbst in Augenschein nehmen. In einer Leistungsschau stellte das Führungsunterstützungsbataillon 283 aus Lahnstein taktisch-operative IT-Systeme vor, die heute die Führungsunterstützung im Einsatz sicherstellen.
14.000 Euro für herausragende Studienarbeiten
Erneut wurde im Rahmen der Koblenzer Fachtagung der AFCEA Bonn - Studienpreis vergeben, der in seinem vierten Jahr mit 14.000 Euro ausgelobt wurde. Die beiden ersten Preise vergab die unabhängige Jury an eine von der Universität Bonn eingereichte Diplomarbeit sowie eine von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg eingereichte Masterarbeit. Weitere Bestpreise gingen an sieben junge Akademiker aus dem Raum Koblenz – Bonn, darunter auch einen Mitrabeiter des IT-AmtBw.
Jährlich werden herausragende Diplom- und Masterarbeiten in angewandter Informatik, Nachrichten- oder Automatisierungstechnik ausgezeichnet und der Öffentlichkeit vorgestellt. Darüber hinaus soll ein Beitrag zum Wissenstransfer von den Universitäten und Fachhochschulen in den Wissenschaftsregionen Bonn und Koblenz in die Bereiche Technik, Wirtschaft und Gesellschaft geleistet werden. Da der Verein einen wesentlichen thematischen Fokus im Bereich der Verteidigung und Sicherheit hat, wurden in den Wettbewerb auch die beiden Universitäten der Bundeswehr in Hamburg und München einbezogen.
Die nächste Fachtagung für Informationstechnik findet am 30. August 2012 in Koblenz statt.
Hier finden Sie einige der Vorträge der Koblenzer Fachtagung 2011:
Vortrag Air Vice-Marshal Steve J. Hillier (englisch)
Vortrag Oberst i.G. Armin Fleischmann
Vortrag Generalleutnant Naskrent
Vortrag Generalleutnant Naskrent_Executive Summary

