29.09.2010

Der Weg ins Web2.0 ist schwer

Am 29. September fand im Bonner MARITIM Hotel unsere zweite Veranstaltung für YOUNG AFCEANs statt. Auch die Bundeswehr nutzt das Web2.0. Ob sie das richtig tut oder viel zu träge die neuen Möglichkeiten anwendet, war Teil einer intensiven Diskussion der Young AFCEANs Ende September.   AFCEA Bonn e.V. hatte dazu Experten mit ganz unterschiedlichen Perspektiven und Erfahrungen zur letzten Young AFCEAN Veranstaltung des Jahres zusammengebracht.

Zunächst gab Oberstleutnant i.G. Thomas Scheibe, Referent „Informationsarbeit Luftwaffe“ im Führungsstab der Luftwaffe, BMVg, einen aktuellen Überblick über die in die Öffentlichkeit gerichteten Aktivitäten der Bundeswehr im Web2.0 und die Überlegungen dazu. Die Bundeswehr nutzt dort die sozialen Medien vor allem zur Informationsarbeit und zur Nachwuchsgewinnung. Darüber hinaus sind aber auch viele Bundeswehrangehörige selbst aktiv. Das Verteidigungsministerium selbst prüft sehr genau, ob und wie es sich beteiligt. Schließlich, sagt OTL Scheibe, sei die Hemmschwelle niedrig, um anonym Interna wie Beschwerden und Vertrauliches zu verbreiten und diskutieren. Untersuchungen zeigen, dass eine zunehmend Vermischung der Internet-Nutzung im Beruf und im privaten Bereich auftritt.Außerdem ständen die militärische Sozialisation sowie die strenge hierarchische Gliederung den dialogisch ausgerichteten Internetfunktionalitäten einschränkend gegenüber. Gleichzeitig sei jede Äußerung in offiziellen Bundeswehr-Medien oder –Kanälen als regierungsamtliche Meinung gleichzusetzen.

(Download Vortrag)

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Demgegenüber forderte Boris Barschow, Autor des Afghanistan-Blogs (www.afghanistan-blog.de), mehr Authentizität und Engagement von der Bundeswehr im Web2.0. Dabei verglich er den Bundeswehrauftritt mit den Aktivitäten anderer Streitkräfte und insbesondere mit der ISAF-Informationsarbeit, die mit deutscher Beteiligung, soziale Medien deutlich intensiver nutzt. So hat der ISAF-Account in Facebook weit über 60.000 „Freunde“. Die wachsende Bedeutung von Web2.0 in der sicherheitspolitischen Diskussion lässt sich auch an den Zugriffszahlen des Afghanistan-Blogs – mittlerweile bis zu 40.000 Clicks täglich –   ablesen.

 

Dr. Karsten Ehms, seit 2005 Moderator der Siemens-weiten Community of Practice für Wissensmanagement und Projektmanager für verschiedenste Social Software Projekte, zeigte Möglichkeiten für die Nutzung von Web2.0 im Wissensmanagement von Unternehmen und deren Erfolgsfaktoren auf. An der Universität Augsburg forschte er zum Einsatz von Mitarbeiterweblogs im Wissensmanagement. Die Unterstützung der Führung schätzt er dabei besonders hoch ein. Nach dem Start von sozialen Medien sei häufig Geduld notwendig, bis eine gewisse Beteiligung erreicht ist. Keinesfalls könne von einem exponentiellen Verlauf ausgegangen werden. Häufig steige die Zahl der Beteiligten eher linear an. Auch der Grad der Beteiligung nehme nicht beliebig zu. Häufig gebe es einen kleineren Anteil aktiver Teilnehmer und eine große Zahl an Nutzern. Bei der Messung ist darum die richtige Erwartungshaltung wichtig: Nicht eine möglichst hohe aktive Beteiligung muss das Ziel sein, sondern die breite Nutzung. Dies bestätigt auch Jürgen Zehnder, Sprecher der Geschäftsführung CONET Solutions GmbH: „Häufigster Grund für das Scheitern von Change Management Prozessen – und die Einführung Social Media ist das fehlende Engagement der obersten Unternehmensleitung.“



(Download Vortrag Siemens)

Für ein verstärktes Wissensmanagement hat die Bundeswehr das Projekt Wiki-ServicesBw gestartet. Dennis-Marc Busch, Wiki-Service im IntraNetBw, AG-Leiter Qualitätsmanagement, stellte die aktuelle Entwicklung dar. Bereits Mitte 2006 hatte man das Konzept der Wikipedia, der weltweiten Enzyklopädie, die ausschließlich aus der Zusammenarbeit von Nutzern entstanden ist, übernommen. Jetzt folgen Funktionalitäten eines Social Networks. Dies soll helfen, die Transparenz der Informationen zu steigern. Ziel ist es, die Qualität von Einträgen zu verbessern und das Wissen verschiedener Bundeswehrangehöriger zu bündeln und allen verfügbar zu machen.

Jürgen Zehnder, CONET Solutions GmbH, forderte die Bundeswehr auf, die Schritte ins Web2.0 beherzt weiter zu gehen: „Sie – die Bundeswehr – haben eine einmalige Chance: ihr Minister stammt aus der jungen Generation!“

 

Rückschau

Berichte und Vorträge der letzten Veranstaltungen

Karriertipps gegeben: v.l. Ralph Michel, Prof. Mirko Hornung, Jochen Reinhardt, Jörn Becker und Klaus-Peter Stieglitz

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