103. Fachveranstaltung AFCEA Bonn e.V.

Portfoliomanagement - von der IT-Strategie zur digitalen Bundeswehr

Montag, 13. April 2015, 18.00 – 21.30 Uhr
Ort: FKIE, Fraunhoferstraße 20, 53343 Wachtberg-Werthhoven

Die Thematik "Portfoliomanagement" stand im Mittelpunkt der 103. Fachveranstaltung am 13. April bei Fraunhofer FKIE in Wachtberg. Obwohl Portfoliomanagement nicht im Zentrum des üblichen AFCEA-Themenspektrums liegt, kamen fast 100 interessierte Zuhörer.

Programm

Begrüßung:                          Generalmajor Erich Staudacher, Vorsitzender AFCEA Bonn e.V.

Einführung und Moderation: Oberst a.D. Friedrich W. Benz, Vorstand AFCEA Bonn e.V.

Mit Portfoliomangement zur Transparenz für die Fähigkeitsentwicklung der Bundeswehr
Prof. Dr. Thomas Prefi, Geschäftsführer P3 Ingenieurgesellschaft mbH, Aachen

Planungen für die Umsetzung des Portfoliomangements in der Bundeswehr
Oberst i.G. Dipl.-Ing. (Univ) Jürgen Zimmermann, RefLtr BMVg Planung II 1 und Teilprojektleiter TP 5 "Portfoliomanagement", Bonn

Portfoliomanagement für die Bundeswehr - Transparenz für Fähigkeitsentwicklung, Projekte, Ausrüstungs- und Nutzungslage
Christoph Reich, Director Defence Business, Software AG, Darmstadt

Portfoliomangement der Generali Deutschland - ein Praxisbericht

Herbert Voß, IT-Architect, Generali Deutschland Informatik Services GmbH, Aachen

Zu den Vorträgen

Auslöser für die Durchführung der Veranstaltung mit dieser Thematik war der Abschlussbericht zur Analyse von neun wesentlichen Rüstungsprojekten im dritten Quartal 2014 durch externe Analysten für das BMVg, in dem der Bundeswehr als erste Handlungsempfehlung die Einführung eines umfassenden Portfoliomanagements nahegelegt wurde. Nach der Begrüßung durch den stellvertretenden Vorsitzenden von AFCEA Bonn e.V., Herrn Brigadegeneral a.D. Scherz Reimar Scherz, erläuterte der Moderator der Veranstaltung, Oberst a.D. Friedrich W Benz, in einer kurzen Einführung, aus welchen Beweggründen die vier Referenten zur Beleuchtung des Themas PORTFOLIOMANAGEMENT aus unterschiedlichen Blickwinkeln ausgewählt wurden.

Mit Portfoliomangement zur Transparenz für die Fähigkeitsentwicklung der Bundeswehr

Im Konsortium der Analysten der wesentlichen Rüstungsprozesse legte die P3 Group als einer der drei Partner u.a. einen besonderen Schwerpunkt auf das Thema Portfoliomanagement. Der Gründer und geschäftsführende Gesellschafter der P3 Group, Herr Prof. Dr. Thomas Prefi, wies darauf hin, dass das Fehlen einer systematischen und organisatorisch verankerten Steuerung von Wechselwirkungen zwischen Rüstungsprojekten ein Grund für Verzögerungen und Fehlplanungen bei zentralen Rüstungsprojekten der Bundeswehr ist. Er stellte in seinem Vortrag mit dem Konzept des Portfoliomanagements einen in vielen Bereichen der zivilen Wirtschaft und Industrie angewendeten und bewährten Ansatz vor, künftig Rüstungsprojekte effektiver zu steuern.

Zur Handlungsempfehlung "Portfoliomanagement" erläuterte er die Forderung nach einem transparenten Überblick über die Fähigkeitslage, eine lebenszyklusübergreifende Landkarte der Rüstungsprojekte sowie die prozessuale und organisatorische Verankerung eines Projektportfoliomanagement auf Grundlage einer validen Datenbasis zur Fähigkeits- und Ausrüstungslage. Im weiteren ging er auf das Hinterfragen der Ausrüstungslage ein, auf klar definierte technisch-funktionaler Rahmenbedingungen für Querschnittsthemen für neu aufzusetzen der Projekte und auf das Ziel einer lebenszyklusübergreifenden Projektplanung zum Ausschöpfen von Synergien zwischen Elementen des Projektportfolios. Abschließend beleuchtete er unter der Fragestellung "können wir das, was wir wollen?" die politische, operative und die Führungsperspektive des Portfoliomanagements der Bundeswehr.

Planungen für die Umsetzung des Portfoliomangements in der Bundeswehr

Da die zentrale Zuständigkeit für "Portfoliomanagement Bundeswehr" beim BMVg Planung II liegt, stellte als nächster Vortragende der zuständige Referatsleiter BMVg Plg II 1 und Leiter TP 5 "Portfoliomanagement", Herr Oberst i.G. Jürgen Zimmermann, zur geplanten Einführung und Umsetzung eines Portfoliomanagements für die Bundeswehr vor. Zunächst ging er auf die projektspezifischen und danach auf übergreifender Handlungsempfehlungen ein. Er stellte dar, wie das Teilprojekt 5 "Portfoliomanagement" im Rahmen der sieben Teilprojekte (demnächst acht) des Steuerungsboards Rüstungsmanagement aufgestellt ist. Er stellte den Zeitplan, die Arbeitsschritte und die Produkte dar, die im Rahmen dieses Projektes bereits erarbeitet sind, bzw. bis Ende des I. Quartals 2016 erarbeitet werden sollen. Nach Informationen zum Zweck des bereits erarbeiteten Rahmenkonzept Portfoliomanagement Bw und der Ist-Erfassung Portfoliomanagement Bw ging er auf die Ebenen, Aufgaben die prozessuale Einordnung und Verantwortlichkeiten des Portfoliomanagement Bundeswehr ein, wie sie einerseits durch den integrierten Planungsprozess (IPP) und durch das Customer Product Management (CPM (nov.)) Vorgegeben sind. Abschließend stellte er den Mehrwert des Portfoliomanagement Bw für das Rüstungmanagement, in den Leitungsfunktionen, in den Planungsfunktionen sowie in den Projektmanagementfunktionen dar.

Oberst i.G. Zimmermann hatte mit seinen Ausführungen deutlich gemacht, dass die Bundeswehr das Thema Portfoliomangement bereits auf Leitungsebene aufgegriffen hat und zeitnah erste Umsetzungsschritte realisieren wird.

Portfoliomanagement für die Bundeswehr - Transparenz für Fähigkeitsentwicklung, Projekte,Ausrüstungs- und Nutzungslage

In seiner Einführung zur Veranstaltung wies Oberst a.D. Benz darauf hin, dass die Software AG aus dem Grund für einen der vier Vorträge gewonnen wurde, weil sie in Gartner Untersuchungen zu Firmenkompetenzen für das Thema IT-Portfoliomanagement und das umfassende Portfoliomanagement in der Bewertung stets ganz an der Spitze rangiert. Herr Dipl.-Inform. Christoph Reich, Direktor Geschäftsbereich Verteidigung der Software AG, stellte in seinem Vortrag zunächst die Frage zum Warum eines IT-/Portfoliomanagements. Dabei zeigte er auf, dass der Schlüssel zum Erfolg darin liegt, dass alle Teil-Portfolios auf der gleichen Plattform miteinander vernetzt sind und miteinander zusammenarbeiten können, so dass für das Gesamtunternehmen ein umfassendes Lagebild in Nahezu-Echtzeit geschaffen wird. Dadurch können Managemententscheidungen mit hoher Effizienz für das Unternehmen getroffen werden. Er stellte weiter dar, dass die Bundeswehr zwar zum Teil andere Begrifflichkeiten hat, das sich aber das Portfoliomanagement eines Großunternehmens durchaus auf die Bundeswehr übertragen lässt. Beim Vorstellen der weltweit eingesetzten Softwarelösung der Software AG für Portfoliomanagement "ALFABET" macht er deutlich, dass diese Menschen, Informationen und Prozesse, die kritisch sind für die strategische, integrierte Planung, zusammenbringt.

In einem Überblick über die Teil-Portfolios der Bundeswehr erläuterte er, wie diese Software in den unterschiedlichen Bereichen der Bundeswehr genutzt werden könnten, um zu einer umfassenden Transparenz über das Portfolio der Bundeswehr zu kommen. In einem abschließenden Beispiel machte er deutlich, dass durch die mit der Software ALFABET geschaffenen Transparenz eine konsolidierte Projektplanung erfolgten kann, die der Forderung „Demand to Budget“ gerecht wird.

Portfoliomangement der Generali Deutschland - ein Praxisbericht

Im vorangegangenen Vortrag hatte Herr Reich erläutert, dass die Software ALFABET für das umfassende Portfoliomanagement in unterschiedlichsten Branchen genutzt wird. Mit Herrn Dipl.-Informatiker Herbert Voß, dem Lead Architect in der Generali Deutschland Informatik Service GmbH und deutscher Vertreter im Generali Group Architecture Council (Mailand) teilte ein Kunde der Software AG seine Erfahrungen in der Praxis mit dem Auditorium.

Die Generali Informatik Services ist der Full IT-Dienstleister der Generali Deutschland Gruppe. Die Aufgabe des IT-Architekturmanagement ist einerseits die Anforderungen der verschiedenen Versicherungen im Konzern zu bedienen und anderseits die Komplexität der Anwendungs- und Infrastruktur-Welt zu beherrschen.

In dem Vortrag wurde die Arbeitsweise des Architekturmanagement mit Business- und IT-Architekten dargestellt. Schwerpunkt ist hierbei die Fachliche Sortierung der Funktionalität mit den unterschiedlichen Anforderungen der einzelnen Versicherungsunternehmen um deutschen Generali-Konzern. Herr Voß machte deutlich, dass aufgrund der sehr heterogenen Konzernstruktur die einzelnen Versicherungsunternehmen sehr unterschiedliche Vertriebswege haben, welche entsprechend angepasste IT-Unterstützung erfordern. Somit sieht er sich mit sehr unterschiedlichen „Fähigkeits-Forderungen“ konfrontiert, die auf technischer Ebene im Sinne eines effizienten Gesamtsystems zu harmonisieren hat. Neben dem Business Domain Modell als Sortierkasten für fachliche Funktionen stellte er abschließend Architekturprinzipien für die Ausrichtung auf strategische/fachliche Anforderungen vor.

Fazit:
Insgesamt wurde deutlich, dass für ein umfassendes Portfoliomanagement eine durchgängige Transparenz bei allen Teil-Portfolios der Bundeswehr vorhanden sein muss, wobei die Akteure auf der gleichen Plattform vernetzt sein müssen.

Die Bundeswehr hat das das Thema bereits tatkräftig aufgegriffen und wird im Laufe dieses Jahres wesentliche Schritte zur konkreten Planung der Umsetzung des Portfoliomanagements für die Bundeswehr gehen. Es wird aber auch darauf ankommen, dass in der neuen Fortschreibung der IT-Strategie zielgerichtete Vorgaben gemacht werden, damit mit der vorgesehenen IT-Landschaft ein effizientes Portfoliomanagement Bundeswehr durchgeführt werden kann.

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