„Digitaler Wandel - IT organisiert“

Donnerstag, 29.Oktober 2015
an der Hochschule des Bundes in Brühl
Willy-Brandt-Str. 1

Der "Digitale Wandel" bzw. die "Digitale Transformation" ist in Deutschland in vollem Gange. Von Seiten der Politik wurden hierzu mit dem eGovernment-Gesetz, dem Regierungsprogramm "Digitale Verwaltung 2020" und der "Digitalen Agenda 2014-2017" die entsprechenden Rand- und Rahmenbedingungen gesetzt, um den Digitalen Wandel in Deutschland voranzutreiben und damit die internationale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands zu sichern. Doch wo steht Deutschland aktuell in der Umsetzung des Digitalen Wandels? Die Fachtagung soll durch vier Vorträge aus unterschiedlichen Ressorts und zwei Vorträge aus der Industrie aufzeigen, wo der Digitale Wandel im Sinne des Organisationseinflusses der IT am weitesten fortgeschritten bzw. umgesetzt wurde.

Agenda:
14:00 Uhr Begrüßung und Einführung
Erich Staudacher – Vorsitzender AFCEA Bonn und Tobias Schönherr – Bundespolizei; AFCEA-Vorstand
14:15 Uhr Digitale Agenda der Bundesregierung
Björn Bünzow -Bundesministerium des Innern; Leiter Projektgruppe Digitale Verwaltung 2020
15:00 Uhr E-Learning - Chancen und Risiken der digitalen Unterstützung von Lehr- und Lernprozessen in der Verwaltung
Claudia Puglisi, Polizeidirektorin, Niedersächsisches Ministerium für Inneres und Sport; Referat Technik und Finanzen der Polizei

15:45 Uhr Gespräche im Foyer (Pause)

16:15 Uhr Industrie 4.0 - Markt und Strategie
Dr. Harald Schöning – Software AG; Clustersprecher Software Cluster/Head of Research
16:45 Uhr Digitale Vernetzung und Nutzung von Geodaten bei der Abwehr von Gefahren am Beispiel des G7-Gipfels im Freistaat Bayern
Mareike Kortmann, Esri Deutschland GmbH, Account Manager Öffentliche Sicherheit und Günter Okon, Erster Kriminalhauptkommissar, Leiter des Sachgebietes Analyse beim Bayerischen Landeskriminalamt.
17:15 Uhr Sachstand zur Umsetzung der Digitalen Agenda 2020
Angefragt: BMWI oder Justizministerium NRW

17:45 Uhr Frage- und Diskussionsrunde mit den Vortragenden
18:00 Uhr Ausklang mit Gesprächen bei Bier und Brot

Moderation: Dipl-Ing. Tobias Schönherr, Vorstandsmitglied AFCEA Bonn e.V.

Moderator Andreas Höher (AFCEA Bonn)

Zur Fachtagung "Föderales IT-System – Vernetzte Verwaltung" hatte AFCEA Bonn e.V. am 29. Oktober in die Fachhochschule des Bundes in Brühl eingeladen. Das Thema lautete "Digitaler Wandel – IT organisiert".

Wie im vergangenen Jahr verfolgte diese neue, im Veranstaltungskalender von AFCEA Bonn e.V. wiederkehrende Fachtagung die Intention des ressortübergreifenden Informationsaustauschs, mit der Konzentration auf die Entwicklung der notwendigen Digitalisierung Deutschlands. 

In seiner Begrüßung erläuterte Moderator Tobias Schönherr von AFCEA Bonn e.V. die Herleitung des Themas und die Bedeutung des digitalen Wandels für die internationale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands. 

Björn Bünzow vom Bundesinnenministerium stellte eindrucksvoll den Sachstand zur Umsetzung des Regierungsprogramms „Digitale Verwaltung 2020“ dar. Dieses sei im Handlungsfeld „Innovativer Staat“ Bestandteil der „Digitalen Agenda 2014-2017“ und orientiere sich zudem an den Umsetzungsfristen des eGovernment Gesetzes. Gemeinsame Infrastrukturen, Wissensaustausch, Digitalisierung von Querschnittsprozessen, der Abbau vermeidbarer Schriftformerfordernisse sowie Transparenz bildeten den Schwerpunkt der „Digitalen Veraltung 2020“, erläuterte Bünzow. Die Digitalisierung stelle dabei das bisherige Verwaltungshandeln an vielen Stellen zum Zwecke der Optimierung der Prozesse und der Organisation positiv infrage.

Über die Chancen und Risiken der digitalen Unterstützung von Lehr- und Lernprozessen in der Verwaltung (eLearning) referierte Claudia Puglisi, Niedersächsisches Ministerium für Inneres und Sport. Neues Lernen finde nicht mehr nur in der Phase am Anfang des Lebens bzw. Arbeitslebens statt, sondern erstrecke sich über die „Multigrafie“ des Individuums. In der Konsequenz werde Lernen inhaltlich wie ökonomisch immer mehr zur Individualsache. Weltweit öffneten sich Bildungsinstitute für neue pädagogische Konzepte und Neue Medien zur Wissensvermittlung. Das Internet werde zur flexiblen und unerschöpflichen Wissensquelle, so Puglisi. Mit den Neuen Medien werde auch die Asymmetrie zwischen Lehrendem und Lernendem aufgelöst.

Katja Frintrop, Kompetenzzentrum Travelmanagement im Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr, stellte in ihrem Vortrag die Chancen und Risiken der Zentralisierung des Travelmanagements dar. Die Digitalisierung der Verwaltungsprozesse bilde dabei eine notwendige Voraussetzung für eine effiziente Leistungserbringung sowie zur Verschlankung der Organisation im Travelmanagement. Die Zentralisierung gehe Hand in Hand mit der Einführung einer besseren IT-Unterstützung, so Frintrop. Die damit verbundene Prozessvereinfachung solle flächendeckend durch weitere qualitätssteigernde Maßnahmen ergänzt werden. Als Bespiele wurden hier erweiterte Servicezeiten, eine verstärkte Unterstützung bei der Reiseplanung und eine umfassendere Betreuung während der Reise genannt.

Einen Kontrapunkt zu den Vorträgen aus dem öffentlichen Bereich setzten die beiden Industrievorträge. 

Einen Überblick von Markt und Strategie zum Thema Industrie 4.0 lieferte Wolfgang Beeck von der Software AG. Der Digitale Wandel führe zu völlig neuen innovativen Geschäftsmodellen, und Innovationen würden durch neue Technologietrends enorm beschleunigt. Die Digitale Transformation stelle dabei die Innovation im Neuen und Unbekannten dar und müsse sich insbesondere den internen und externen Herausforderungen, zum Beispiel dem Fachkräftemangel und technologischem Fortschritt, stellen. Durch die digitale Befähigung der Dinge, dem Internet of Things, würden zudem in der Zukunft unzählige Daten generiert. Der Wert liege dabei nicht im Sammeln der Daten, sondern in dem, was man mit den Daten macht. Die Digitalisierung werde dabei die Art der Zusammenarbeit völlig verändern.

Zum Thema „Digitale Vernetzung und Nutzung von Geodaten bei der Abwehr von Gefahren am Beispiel des G7-Gipfels im Freistaat Bayern“ referierten Mareike Kortmann, ESRI, und Günter Okon, Bayrisches Landeskriminalamt. Die Absicherung und Gefahrenabwehr der für den G7-Gipfel ausgewählte Lokation, Schloss Elmau, sei faktisch nur auf der Grundlage digitalisierter Geoinformationen und deren Vernetzung in einer Geodateninfrastruktur möglich gewesen. In einem Webportal wurden die Informationen aus unterschiedlichen Quellen integriert und den Einsatzkäften zu Verfügung gestellt. 

Als Fazit der Veranstaltung kann festgehalten werden: Sowohl für die Zuhörer als auch die Referenten stellten der ressortübergreifende Informationsaustausch und die Industrievorträge einen deutlichen Mehrwert dar.