Integration keine rein technische Herausforderung

Stefan Eisinger vom Bundesverteidigungsministerium Fotos: AFCEA
Carsten Duer, IT-Zentrum der Bundeswehr
Dr. Markus Esch, Fraunhofer-FKIE
Michael Mundt von der Firma Esri
Frank Suykens, Firma Luciad
Dr. Bernd Klasen von Amazon
Martin Lies, Fraunhofer-FKIE
Prof. Dr. Andreas Hense, Hochschule Bonn-Rhein-Sieg
Heiko Sasse, BAAINBw
Dr. Michael Wunder, Vorstandsmitglied von AFCEA Bonn e.V.
Armin Fleischmann, Aufbaustab CIR

Das diesjährige Zukunfts- und Technologieforum von AFCEA Bonn e.V. am 17. November drehte sich um das Thema „Integration – Vernetzt denken, Technik verbinden“. Referenten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Bundeswehr beleuchteten es aus unterschiedlichen Perspektiven.

Rund 60 Teilnehmer diskutierten die Aspekte des breit gefächerten Themas mit den Referenten im Fraunhofer-Institut für Kommunikation, Informationsverarbeitung und Ergonomie FKIE in Wachtberg.

Integrieren geht nicht „mal so nebenbei“: Die notwendigen Fähigkeiten, um integrieren zu können, werden meist unterschätzt. Integration erfordert ausgeprägte technische und fundierte organisatorische Kenntnisse. Sie ist die zentrale Herausforderung bei der Planung und Durchführung von Beschaffungsprojekten. Neue oder geänderte Hardware- und/oder Softwarelösungen müssen ihre Eignung im Zusammenspiel mit anderen Systemen beziehungsweise Systemkomponenten stets mit Blick auf die zu unterstützenden Wirkketten nachweisen.

Im Folgenden werden die zehn Vorträge kurz zusammengefasst.

  1. Zu Beginn der Veranstaltung wurde ein Konzept für eine neue Sicherheitsarchitektur FITSA vorgestellt. Sie soll zur Harmonisierung Führungsinformationssysteme (HaFIS) und zum Federated Mission Network (FMN) passen. Neu ist, dass die Information selbst aufgrund von Gefährdungsprofilen eingestuft wird und dass die Überwindung verschieden eingestufter Missionsnetze gelingt. Der Zeitplan ist ambitioniert, denn bereits im nächsten Frühjahr soll die von einem Konsortium aus mehreren deutschen Firmen vorgestellte erste Lösung mit weiteren interessierten Nationen getestet werden. Vortrag Stefan Eisinger (pdf)

  2. Die Bundeswehr kann mittels Simulations- und Testumgebungen vielfältige Anwendungsfälle im Rahmen von Modellbildung und Simulation (M&S) wie Einsatzunterstützung, Ausbildung und Übung, Analyse und Planung bedienen. Durch Nutzung der bundeswehreigenen Simulations- und Testumgebung sowie des Combined Federated Battle Laboratories Network (CFBLNet) lassen sich verschiedene Sicherheitsstufen und über Deutschland hinausgehende Infrastrukturen realisieren. Im Übrigen lassen sich damit auch weiträumige Verbünde verfügbarer und zu bewertender Techniken zur Realisierung von Wirkketten herstellen. Vortrag Carsten Duer (pdf)

  3. Integrieren ist eine Fähigkeit der Bundeswehr , die ausgebaut werden muss. Als gemeinsame Plattform für Nutzer, Entwickler und Beschaffer bieten sich Analyse- und Testanlagen für Verbunduntersuchungen an, bei denen realitätsnahe Bedingungen herrschen. Die vorgestellte Analyse- und Testumgebung (AuT) erlaubt das Integrieren von nahezu beliebigen zu untersuchenden Führungsinformationssysteme , Kommunikationssystemen und Netzwerktechniken mit dem Vorteil der Reproduzierbarkeit, Skalierbarkeit, Flexibilität, Messbarkeit sowie der Kombination von Realsystemen und Simulation. Vortrag Markus Esch (pdf)

  4. Eine raumbezogene Verarbeitung von Daten ist für mobile Anwendungen im Einsatz eine wesentliche Fähigkeit. Entsprechende Services, die auf Endgeräten benötigt werden, sind beispielsweise Ortssuche, Navigationsunterstützung, Luft- und Satellitenbilder, Fotos, Videos und Meldungen über Vorfälle. Je nach Leistungsfähigkeit des Endgeräts sind auch komplexe Aufgaben wie die Analyse eines Überschwemmungsgebietes möglich. Die Nutzung von mobilen Endgeräten wird im militärischen Berufsalltag zukünftig wichtiger werden. Vortrag Michael Mundt (pdf)

  5. Mit Hilfe moderner Softwaresysteme lassen sich quasi spielerisch raumbezogene Analysen auf Massendaten-Ebene durchführen und die Situational Awareness kann durch „Visual Analytics“ deutlich verbessert werden. Es ist bisweilen frappierend, wie sich durch das geschickte Setzen und Manipulieren von Auswahlparametern mit den Daten graphische Muster erzeugen lassen, die unmittelbar plausible Schlussfolgerungen über Ereignisse und Verhalten zulassen und forensische Analysen visuell unterstützen. Vortrag Frank Suykens (pdf)

  6. Bei der Integration verschiedener Softwaresysteme heterogener Partner legt die Industrie gerade bei Bezahlsystemen großen Wert auf sichere und stabile Transaktionen. Die Vielfalt der zu berücksichtigenden Techniken und heterogene IT-Kenntnisse bei allen Beteiligten erschweren die Integrationsaufgabe und machen diese aufwändig. Als Antwort darauf verfügt die Industrie über große technische Teams, die eng mit den Partnern zusammenarbeiten, aber auch durch Standardisierungen und vorgefertigte Musterlösungen die Effizienz der Integrationsarbeit steigern. Vortrag Bernd Klasen (pdf)

  7. Die Teilnahme in multinationalen Projekten mit zahlreichen Beteiligten und unterschiedlichen technischen Lösungen gibt Forschern mitunter auch wesentliche Erkenntnisse, die jenseits der Technik liegen. Integration erfordert neben breitem, aber auch fundierten technischen Wissen, viel Erfahrung im Umgang mit den soziologischen und kulturellen Eigenheiten der Partner. Zusätzlich muss man ein gutes Durchhaltevermögen besitzen. Integration ist also keineswegs eine vornehmlich technische Herausforderung. Das macht sie so schwierig und teilweise auch unbeliebt. Vortrag Martin Lies (pdf)

  8. Da sich Prozesse in einigen Organisationen – beispielsweise in multinationalen Hauptquartieren – abhängig von den jeweils Beteiligten schnell ändern können, ist es notwendig, vorhandene Softwarelösungen ebenso schnell und ohne großen Aufwand anzupassen. Vorgestellt wurde eine Lösung, bei der die Modellierung der Prozesse direkt zu einer Implementierung einer eingesetzten Workflow-Lösung führt, wobei auch die angebundenen FAS (?) und MS-Office-Produkte sowie die Daten integriert werden. Die Nutzung von Open-Source-Produkten macht die Lösung besonders attraktiv. Vortrag Andreas Hense (pdf)

  9. Randbedingungen bei der Rüstung sind hochkomplexe technische IT-Lösungen, proprietäre Plattformlösungen, langfristige Entstehungsgänge, nicht abgeglichene Finanzierungen, eine Vielzahl an Forderungen, die widersprüchlich, unscharf, unvollständig oder fehlerhaft sein können, und die wegen fehlender Pufferzeiten stets viel zu kurzen Zeiträume. Ohne integrative Methoden im Projektmanagement für das Anforderungsmanagement und das Servicedesign kann Integration nur schwerlich gelingen. Aus diesem Grund werden in der Bundeswehrentsprechende Prozesse implementiert. Vortrag Heiko Sasse (pdf)

  10. Mit dem künftigen Organisationsbereich Cyber- und Informationsraum (CIR) der Bundeswehr wird eine neue Teilstreitkraft aufgebaut, die unter anderem die strategische Leitlinie Cyber-Verteidigung umsetzen wird. Angesichts der Bedrohungen im Cyberraum, aber auch um die Bündelung der IT-Fähigkeiten wirksam umzusetzen, muss die Bundeswehr über eigene Cyberfähigkeiten verfügen und auch die Architektur eigener Systeme hinsichtlich Resilienz und Leistung verbessern. Die entwickelten organisatorischen Rahmenbedingungen sind ebenfalls wesentlich für die Verbesserung der Integrationsfähigkeit in der Bundeswehr. Vortrag Armin Fleischmann (pdf)

Aufgrund der positiven Rückmeldungen plant AFCEA Bonn e.V. die Veranstaltungsreihe fortzusetzen.


Die Vorträge im Überblick zum Download:

OTL i.G. Stefan Eisinger, BMVg CIT II 1: Data Centric Security Architecture – mit Schwerpunkt: Integration

Carsten Duer, IT-Zentrum Bw: Einsatz von Simulations- und Testumgebungen - Erfahrungen aus der Nutzung im Hinblick auf Integration

Dr. Markus Esch
, Fraunhofer-FKIE: Integration auf der letzten Meile mithilfe der Analyse- und Testumgebung

Michael Mundt, Firma Esri: Mobile Anwendung im Spannungsfeld von Einsatzbedingungen und IT-Sicherheit

Dr. Bernd Klasen, Firma Amazon: Verfahren zur Integration heterogener Client-Systeme in Amazon Payments

Martin Lies, Fraunhofer-FKIE: Integration heterogener Kommunikationstechnologien für Koalitionseinsätze

Prof. Dr. Andreas Hense
, Hochschule Bonn-Rhein-Sieg: Prozessintegration in multinationalen HauptquartierenOberst i.G.

Heiko Sasse
, BAAINBw P2.2: Integrative Methoden im Projektmanagement: Anforderungsmanagement und Servicedesign - So gelingt Integration

Armin Fleischmann, Aufbaustab CIR: Perspektiven und Herausforderungen im zukünftigen Organisationsbereich CIR


Dr. Frank Suykens, Firma Luciad: Visual analysis of large, dynamic data - use cases, data integration, user experience