IT-Messe in Zeiten der Digitalisierung: „Das geht nicht mehr weg!“

IT-Messe in Zeiten der Digitalisierung: „Das geht nicht mehr weg!“

Generalmajor a.D. Erich Staudacher bei der Begrüßung Fotos: Stefan Veres

IT-Messe in Zeiten der Digitalisierung: „Das geht nicht mehr weg!“

Das Symposium stieß auf großes Interesse.

IT-Messe in Zeiten der Digitalisierung: „Das geht nicht mehr weg!“

Generalleutnant Ludwig Leinhos informierte über die Digitalisierung der Bundeswehr.

IT-Messe in Zeiten der Digitalisierung: „Das geht nicht mehr weg!“

Ministerialdirigent Andreas Könen referierte über die „Digitalisierung im Bund“.

IT-Messe in Zeiten der Digitalisierung: „Das geht nicht mehr weg!“

Oberst i.G. Armin Fleischmann moderierte mit exzellenter Sachexpertise.

IT-Messe in Zeiten der Digitalisierung: „Das geht nicht mehr weg!“

Bestsellerautor Marc Elsberg fesselte das Publikum mit seinem Vortrag.

Mit 149 Ausstellern und nahezu 2.500 Besuchern hat AFCEA Bonn e.V. bei der 32. AFCEA Fachausstellung am 11. und 12. April im Maritim Hotel Bonn erneut eine Rekordbeteiligung erreicht.

Das Motto „Digitale Zukunft gestalten – Intelligent. Vernetzt. Sicher.“ orientierte sich am Jahresthema des neutralen Anwenderforums.

Mit der diesjährigen Ausstellung sei es gelungen, so Generalmajor a.D. Erich Staudacher,  Vorsitzender AFCEA Bonn e.V., Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen und über die Grenzen der eigenen Community die Öffentlichkeit für das Thema Digitalisierung und Sicherheit zu sensibilisieren. Streitkräfte und Sicherheitsbehörden erfahren durch die Digitalisierung und Automatisierung, im Friedensbetrieb wie im weltweiten Einsatz, massive Veränderungen, sei es beim Waffeneinsatz, in der Logistik, in der Führung oder in der Aufklärung. Maßgebliche technische Entwicklungen wie etwa soziale Medien sind Treiber gesellschaftlicher Entwicklungen geworden, die vom Staat eine neue normsetzende Rolle abverlangen. Gleichzeitig entwickeln Manipulationen in den Sozialen Medien massiven Einfluss auf demokratische Entwicklungen, die es zu erkennen gilt. Aufgrund dieser Entwicklung rücken die Grenzen in der öffentlichen Sicherheit näher zusammen. „Das geht auch nicht mehr weg“ – darüber herrschte bei allen Vorträgen in der Diskussion Einigkeit.

Zwei Keynotes zur Digitalisierung aus der Bundeswehr und dem Bundesinnenministerium beleuchteten diese Entwicklung eindrucksvoll.

Generalleutnant Ludwig Leinhos, Inspekteur Cyber- und Informationsraum (CIR), stellte die Erfolge seit der Aufstellung des Organisationsbereichs dar und gab einen Überblick über die aktuellen Schwerpunkte. Neben dem Aufwuchs in den verschiedenen Bereichen und dem Aufbau einer Cyber-Community, gehören auch Großvorhaben und Programmunterstützungen, beispielsweise bei der Digitalisierung landbasierte Operationen, GroupwareBw, SatComBw oder Krypotomodernisierung in das derzeitige Aufgabenpaket dieses neuen Organisationsbereichs. Hier forderte der Inspekteur die Beteiligten aus Streitkräften, Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) und Industrie auf, gemeinsam für Verbesserungen bei Entwicklungs- und Beschaffungsvorhaben zu arbeiten. Wesentliche Aufgabe sei es, so Leinhos, entsprechend qualifiziertes Personal für eine Tätigkeit im Verantwortungsbereich CIR zu gewinnen oder Menschen für die Sache zu begeistern und dann auch für ihre jeweilige Aufgabe zu qualifizieren.

Das Jahr 2017 habe gezeigt, dass Digitalisierung, Cybersicherheit und Datenschutz untrennbar verbunden seien, ergänzte Ministerialdirigent Andreas Könen, Leiter der Stabsstelle „IT- und Cybersicherheit; sichere Informationstechnik“ im Bundesinnenministerium, in seiner Keynote. Trotz zahlreicher bekannter und erfolgreicher IT-Angriffe sowie ungewollter Vorfälle wie Datenlecks zeigte Koenen sich optimistisch, dass Sicherheit möglich sei. Den Angriff auf das Auswärtige Amt, den das BSI seit Anfang des Jahres beobachtete, sei für ihn ein erfolgreiches Szenario gewesen. Man habe hier sehr viel gelernt. Dennoch habe man noch viel Arbeit vor sich bei der Weiterentwicklung der Cyber-Abwehr, so Leinhos.

Weniger Digitalisierung kaum möglich

Wie weit Digitalisierung und Technisierung bereits sind, legte Bestsellerautor Marc Elsberg im Rückgriff auf seine Romane „Blackout“ und „Zero“ dar. Ein „Zurückdrehen der Digitalisierung“ werde nur mit starken Einbußen im Lebensstandard möglich sein, sagte Elsberg. Zu grundlegend hätten sich Wirtschafts- und Lebensweisen damit verändert. Selbst Kuhställe und Schweinemastanlagen seien heute von Elektrizität abhängig, und wie das Beispiel des Wirbelsturms Katrina in New Orleans gezeigt habe, befinde man sich innerhalb weniger Tage ohne Strom in kriegsähnlichen Zuständen. Aufgrund der Digitalisierung und Vernetzung entwickelten sich viele Gesellschaften in Richtung eines „Selbstüberwachungsstaates“ mit hohem Konformitätsdruck. Elsberg forderte daher, sich viel stärker Gedanken über Zuständigkeiten und Zusammenhänge zu machen. Internet of Things, Internet of Everyone und Künstliche Intelligenz machten diese Entwicklung zu einer besonders großen Herausforderung. Elsberg blieb jedoch optimistisch, dass der Umgang damit weiterhin gelingen wird, wenn auch mit Rückschlägen.

Entwicklungen in der Bundeswehr

Am zweiten Tag fokussierte AFCEA Bonn e.V. auf zwei Beispiele der aktuellen Entwicklung aus der Bundeswehr. Zunächst stellte Oberst i.G. Frank Werner Trettin, Leiter Aufbaustab ADIC, den Sachstand beim Aufbau der „Agentur für disruptive Innovationen in Cybersicherheit“ vor. Mit dieser neuen Agentur soll künftig Forschung und Entwicklung in der Cybersicherheit gefördert werden. Finanziert wird die Agentur vom Bundesverteidigungsministerium und dem Bundesinnenministerium. Rechtsform und Standort stehen noch nicht fest.

Generalarzt Dr. Michael Zallet, Abteilungsleiter B im Kommando Sanitätsdienst der Bundeswehr, zeigte am Beispiel der Digitalisierung in der Gesundheitsversorgung, wie sowohl Patient als auch System davon einen Nutzen haben sollen. In den kommenden Jahren soll in der Gesundheitsversorgung der Bundeswehr eine elektronische Patientendatensammlung, ein Gesundheitssystem aus einem Guss und damit eine elektronische Gesundheitsakte umgesetzt werden. Damit wäre man auch für den zivilen Bereich ein Vorreiter, so Zallet.

Eigenes Programm für junge Führungskräfte

Am ersten Tag der Fachausstellung ergänzte AFCEA Bonn e.V. das Ausstellungsprogramm um sein „Leadership Forum“. Unter Leitung von Sandra Pfetzing-Huber, IBM, diskutierten hochrangige Vertreter von Bund und Industrie ihre Karrieren mit jungen Führungskräften. Das Podium bestand aus Oberstarzt Dr. Ulrike Wagner, Zentralkrankenhaus der Bundeswehr Koblenz, Abteilung I Innere Medizin, Generalmajor a.D. Erich Staudacher, General Manager Europe, Vizepräsident von AFCEA International für EMEA (Europe, Middle East, Africa), Vorstandsvorsitzender AFCEA Bonn e.V., Andreas Höher, msg systems ag, Director Public Sector Defense Consulting, Christine Serrette, Leitung Geschäftsfeld Bundeswehr Account Management, BWI GmbH, Renate Richter, Business Development Managerin, Griffity Defence, Katrin Eisele, Leiterin IT Service Management, steep. Die Runde diskutierte den Weg von Frauen in die oberen Führungsetagen, insbesondere auch die Frage, warum viele der weiblichen Talente auf dem Weg verloren gehen. Das Forum soll auch bei künftigen Fachausstellungen fortgesetzt werden.

Zur 33. Fachausstellung lädt AFCEA Bonn e.V. 2019 am 10. und 11. April wieder ins Maritim Hotel in Bonn ein.