Das liebe Internet ist vorbei

V.l. Hauptmann Peter Nelte, Thomas Vehmeier und Jochen Reinhardt (Young AFCEANs) Fotos: AFCEA

V.l. Hauptmann Peter Nelte, Thomas Vehmeier und Jochen Reinhardt (Young AFCEANs) Fotos: AFCEA

Digitalberater und Publizist Thomas Vehmeier

Digitalberater und Publizist Thomas Vehmeier

Einblicke in die Sozialen Medien der Bundeswehr gab Hauptmann Peter Nelte

Einblicke in die Sozialen Medien der Bundeswehr gab Hauptmann Peter Nelte

Mit der Frage, wie der digitale Wandel den Staat verändert, haben sich die Young AFCEANs am Montag, 21. September, im Offizierheim der Luftwaffenkaserne Köln-Wahn beschäftigt.

In Zeiten, in der technische Veränderungen nahezu alle Bereiche des täglichen Lebens sowie Wirtschaft und Gesellschaft verändern, kommt auch der Staat nicht um Änderungen und neue Regelungen herum. Als konkretes Beispiel einer solchen Veränderung stellte Hauptmann Peter Nelte, stellvertretender Produktverantwortlicher Soziale Medien in der Redaktion der Bundeswehr, die Aktivitäten der Bundeswehr vor. Bereits seit 2011 ist die Bundeswehr auf verschiedenen Kanälen unterwegs. Insbesondere Youtube mit über 127.000 Abonnenten und Twitter (@bundeswehrinfo) mit über 25.000 Followern gehören dabei zu den erfolgreichsten Medien. Twitter wird dabei derzeit noch ausschließlich zur reinen Information und Verteilung von Links genutzt, beim Youtube-Kanal wird der digitale Wandel deutlicher. Denn die Kommentare dort werden beantwortet unter anderem durch Dienstposten, die sich bisher beispielsweise um telefonische Bürgeranfragen gekümmert haben. Rund 20.000 Anfragen im Monat laufen nach Angaben von Nelte mittlerweile über diese Kanäle ein.

Dies hat auch die redaktionelle Arbeit verändert. Zuständig ist die Redaktion nicht mehr nur für die inhaltliche Erstellung, sondern auch für das sogenannte Community Management. Die Betreuung der „Leser“ nehme dabei den größten Teil der Arbeit ein, unter anderem auch wegen eines stark veränderten Tons in den Kommentaren. Pauschalkritik und aufmerksamkeitsheischende Trollbeiträge: „Die Zeit des lieben Internet ist vorbei“, stellt Nelte fest.

Dies bestätigte auch Thomas Vehmeier, selbstständiger Digitalberater und Publizist. Doch neben einer erodierenden Diskussionskultur würden weitere technische Entwicklungen folgen, etwa eine noch weitgehendere Vernetzung und damit die Nutzung von Nutzerdaten. Künftig könnten Algorithmen Kreditvergaben automatisieren und damit Banken ohne Angestellte möglich machen. Regulierung in ihrer bisherigen Form würde nur noch bedingt greifen. Vehmeier sprach von „Disruoted Governance“, forderte damit jedoch neue Formen staatlicher Regulierung. Gleichzeitig könnten auch staatliche Einrichtungen von der technischen Entwicklung profitieren, beispielsweise durch Automatisierung, aber auch durch gezielte Nutzung der Daten und Auswertemöglichkeiten. Am Beispiel der aktuellen Flüchtlingsströme machte er es deutlich: Möglich werde die Massenbewegung zu einem großen Teil durch die Vernetzung über Billig-Smartphones. Diese Daten könnten für die Prognose von Flüchtlingszahlen genutzt werden. „Tut das jemand?“