Wie Wearables unser Leben verändern

Andreas Schreiber

Andreas Schreiber (Quelle: AFCEA)

Bei der ersten Young AFCEANs Veranstaltung 2015 wurde das Jahresthema von AFCEA Bonn e.V. „Digitaler Wandel – IT „organisiert“ aus einer persönlichen Perspektive betrachtet.

Mit der Apple Watch, der laut Werbeslogan „persönlichsten Technologie“ wird sich der Trend Nutzung von Wearables und zur Selbstvermessung ausweiten. Wir organisieren uns selbst immer mehr mit Hilfe tragbarer Technologie, sammeln Daten und lassen uns von den Daten auch beeinflussen, man könnte auch sagen „organisieren“. Tragbare Technologie gibt es aber mindestens seit dem 15. Jahrhundert, dem Beginn der Nutzung von Taschenuhren. Heutzutage vereinen die verschiedenen „Devices“ unzählige Funktionen auf kleinstem Raum und sammeln - zum Teil sehr persönliche - Daten über die Besitzer.

Über diesen Trend, seine Entwicklung in den nächsten, die sich bietenden Möglichkeiten und die daraus entstehenden Gefahren und Risiken haben vier Referenten auf unterschiedliche Weise ihre Sichtweisen dargestellt.

Überwachung der eigenen Gesundheit
Unter dem Titel „Selbst ist der Patient – Wie Selbstvermessung das persönliche Wohlbefinden steigern kann“ erläuterte Andreas Schreiber, Abteilungsleiter und Wissenschaftler am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. und Gründer der Kölner Gruppe von qs Deutschland, wie er nach einem Schlaganfall im Jahr 2009 begann, erste persönliche Daten zu sammeln, um seinen Gesundheitszustand zu überwachen. Den Umfang der Daten erweiterte er sukzessive, so dass er inzwischen weiß, welche Kombination seiner persönlichen Werte zu vermeiden ist und welche Aktivitäten sein Wohlbefinden fördern. Einen Teil seiner Vitalwerte stellt er über einen eigenen Twitterkanal zur Verfügung und informiert so Familie und Freunde über seine persönliche Verfassung. Dadurch entsteht eine Art soziale Kontrolle, d.h. die ihm nahestehenden Personen können auf ihn einwirken, wenn z.B. der Blutdruck nachhaltig zu hoch ist.

Anschließend verwies Oberstleutnant Gundram Wilski vom IT-Zentrum der Bundeswehr auf eine andere Geschichte von Wearables. Er beschrieb, wie im frühen Mittelalter die Tragbarkeit von Waffen und Rüstungen über den Ausgang von Schlachten entschieden haben. Bereits damals siegten Bedienbarkeit, Leichtigkeit und Schnelligkeit. Daraus leitete Wilski Anforderungen an die IT-Unterstützung für Streitkräfte mit besonderem Fokus auf den Einsatz ab. Ausgehend von einer kritischen Betrachtung der aktuellen Situation der Führungsinformationssysteme und deren Interoperabilität zeichnete er das Bild einer einfachen, (er)tragbaren, intuitiv bedienbaren Lösung. Im Mittelpunkt steht eine App für Smartphones, die sich mit heute üblichen Sicherheitsstandards in die jeweilige Informationsdomäne „einklinkt“, dort Informationen (eigene Position, eigene Bewegung, erkannte Kräfte, etc.) bereitstellt und auch relevante Informationen erhält. Führungsinformationen einfach einfacher.

Fitness ist größtes Einsatzgebiet
Im dritten Vortrag stellte Marc Meurer, Leiter sportwissenschaftlicher Service, Kommunikation und Training bei POLAR, die Sicht eines Herstellers von tragbarer Technologie auf das Thema dar. Er machte deutlich, dass die persönliche Fitness das größte Thema bei der Nutzung von Wearables im privaten Bereich ist. Nahezu die Hälfte aller verfügbaren Apps sind Gesundheits- oder Fitnessprogramme. Meurer stellte dabei verschiedene Entwicklungen vor, beispielsweise ein Device, das im Ohr getragen wird und dort nicht nur Puls, Körpertemperatur und Blutdruck misst, sondern nach einer Kalibrierung anhand des Geräusches auch feststellen kann, das der Träger gerade einen Apfel ist, so dass daraus die aufgenommene Kalorienmenge berechnet wird. Problem vieler Wearables ist aber noch immer die Energiezufuhr und somit die teilweise eingeschränkte Nutzungsdauer.

Abschließend spannte Gerhard Schröder, Mode-&-Technik-Blogger über Wearable Technology und Mode aus dem 3D-Drucker und Geschäftsführer Kreative Kommunikations Konzepte GmbH,  den großen Bogen über das Thema, als er erläuterte, dass Wearables ihren Beitrag zum „Internet of Things“ liefern und sich im Laufe der Zeit dort nahtlos integrieren werden, um etwa den Kühlschrank zu steuern oder das eigene Auto zu starten. Dabei verwies er auch darauf, dass es schon lange wesentlich persönlichere Wearables gibt, wie Hörgeräte oder Herzschrittmacher. Während die durchschnittliche Tragezeit eines Fitness-Trackers nur drei Monate beträgt, wird diese Technologie von den Besitzern Jahre getragen.

Mehrwert entscheidet über Akzeptanz
Das unterstützt die Feststellung aller Referenten, dass alleine das Sammeln von Daten keinen ausreichenden Nutzen liefert, um sich an tragbare Technologie langfristig zu binden. Entscheidend ist es, dem Nutzer einen Mehrwert zu geben, der ihm das tägliche Leben oder das Erreichen von Zielen etwa im Sport auf einfache Weise erleichtert. Die Anbieter von Technologie und Applikationen müssen lernen, aus den Daten nutzbare Informationen und Hilfestellungen zu generieren.