Voll-Vernetzung der Soldaten

v.l. Oberst i.G. Fleischmann, OTL René Romeis, Dr. René Bantes, Florian Weigand, Hans-Joachim Koeppen, Franz-Bernd Möllers Foto: AFCEA

Zur 109. Fachveranstaltung hat AFCEA Bonn e.V. am 10. Oktober erstmals ins Wissenschaftszentrum in Bonn eingeladen. Das Thema lautete „Internet der Dinge für Systeme der Bundeswehr – Vernetzung und Souveränität“.

Der Tagungsraum im Octagon-Format war nahezu voll besetzt. Der stellvertretende Vorsitzende von AFCEA Bonn e.V. und Leiter des Programmbeirates, Oberst i.G. Armin Fleischmann, begrüßte die Anwesenden und leitete ins Thema ein. Die Moderation der Veranstaltung übernahm das AFCEA-Vorstandsmitglied Franz-Bernd Möllers, Senior Account Manager bei Atos.

Den Reigen der vier Fachvorträge eröffnete Dr. René Bantes, Abteilungsleiter Technologieanalysen und strategische Planung beim Fraunhofer-Institut für Naturwissenschaftlich-Technische Trendanalysen, in Euskirchen. Er sprach zum Thema „Capacity Crunch“ – Wird das 'World Wide Web' zu 'World Wide Wait'?”.

Aus Bantes' Sicht lassen die physikalischen Grenzen der Übertragung von Information ein prinzipielles Limit für die maximal erreichbare globale Übertragungskapazität erwarten. Darüber hinaus würden die denkbaren Kapazitäten zusätzlich durch nichttechnische Faktoren, zum Beispiel Wirtschaftlichkeit, Geologie und Politik abgesenkt. Demgegenüber stehe ein absehbar exponentielles Wachstum der benötigten Bandbreite, sagte Bantes. Aus dieser Kombination folgerte er, dass es einen Punkt gebe, an dem der Bedarf die Kapazität übersteige, sollte es nicht gelingen revolutionäre technologische Konzepte hervorzubringen, die letztlich aber auch nur das „Wann“ und nicht das „ob“ beeinflussten.

Mit Blockchain Daten transparent archivieren

Im Anschluss sprach Florian Weigand von DXC Technology zum Thema „Blockchain zwischen Gegenwart und Zukunft“. Ein Blockchain sei eine sehr große Datei, so Weigand, in der Daten logisch, historisch, sicher und unveränderlich gespeichert werden könnten. Anhand von Beispielen stellt er die Vor- und Nachteile dieser Technologie vor und zeigte auf, dass in Zukunft Wertschöpfungsketten und Herkunftsnachweise von unterschiedlichsten Daten mithilfe einer Blockchain transparent und sicher auf Langzeit archiviert werden können. Damit könne die Datenintegrität bei einer gleichzeitigen dezentralen und autonomen Organisation von Abläufen und Prozessen sichergestellt werden, sagte Weigand.

Nach einem Imbiss und Gelegenheit zum Netzwerken läutete OTL Jens Romeis, Referent CNO aus der Abteilung Planung beim KdoCIR, den zweiten Teil der Veranstaltung ein. Er stellte dar, dass mit dem „Internet of Things“ enorme Chancen bei der zunehmenden Vernetzung und Digitalisierung auch von Alltagsgegenständen entstehen. Gleichzeitig bringt die Digitalisierung und Vernetzung jedoch große Risiken mit sich, machte Romeis deutlich. Anhand von anschaulichen Beispielen stellt er die mögliche Beeinflussung auf das „Internet of Things“ im Alltagsleben dar. Ebenso wurde die Voll-Vernetzung des einzelnen Soldaten mit den ihm zur Verfügung stehenden Hilfsmitteln und Sensoren bis hin zu den extremen Herausforderungen, die Sicherheit in diesem Umfeld sicherzustellen, beleuchtet.

Digitale Zwillinge

Den Reigen der Vortragenden schloss Hans-Joachim Köppen, der technische Leiter of Things and Industrie 4.0 bei IBM Deutschland. Köppen, der seit über 35 Jahren für IBM tätig ist und dessen Interessenschwerpunkt die Digitalisierung ist, referierte zum Thema „Internet der Dinge und künstliche Intelligenz“. Aus seiner Sicht sind digitale Zwillinge physikalische Dinge, die in der virtuellen Welt repräsentieren werden. Sie liefern riesige Datenmengen über Zustand, Nutzung und Standort von Ausrüstung, Material und über Menschen und Umgebung. Mittels Big Data und künstlicher Intelligenz ließen sich wichtige Erkenntnisse aus diesen Daten gewinnen, sagte Köppen. Diese Erkenntnisse würden initial zur Verbesserung von Effizienz genutzt, dabei hätten sie das Potenzial, so Köppen, grundlegende Veränderungen zu ermöglichen. Anhand von praktischen Anwendungsfällen beleuchtete er den Stand der Technologie.

Die vier Vorträge wurden durch eine aktive Diskussion mit dem fachkundigen Publikum angereichert. Nach dreieinhalb Stunden wurde die Veranstaltung von Herrn Möllers und Oberst Fleischmann mit einem Ausblick auf die kommenden Veranstaltungen von AFCEA Bonn e.V. beendet.

Interessierte können die Vorträge der Veranstaltung beim Büro von AFCEA Bonn e.V. anfragen: buero@afcea.de