Digitaler Wandel – IT „organisiert“

Koblenzer IT-Tagung 2015

In einer mit zunehmender Geschwindigkeit digitalisierten Welt durchdringt die Informationstechnologie immer weitere Bereiche. Die Auswirkungen nicht nur, aber insbesondere für Streitkräfte und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben sind zuweilen noch ungeahnt und verdienen besondere Aufmerksamkeit. Den digitalen Wandel gilt es also nicht nur zu begleiten, sondern ihn aktiv zu gestalten. Im Besonderen ist zu beleuchten, wie die IT in ihren Anteilen und Ausformungen sinnvoll und effizient organisiert werden kann, um den ange-messenen Beitrag für die genannten Bereiche in der digitalisierten Welt und Gesellschaft zu liefern.
Dabei gilt es, sich der Dualität bewusst zu werden: Schon beim Entwerfen und Realisieren neuer Aufbau- und Ablauf-Organisationen besitzt IT eine herausragende Bedeutung. Sie setzt für nahezu alle Funktionsbe-reiche gestalterische Impulse allein durch den jeweiligen Stand der Technik, sie wirkt „organisierend“, z.B. durch die Forderung, integrierte Leistungen so zu formulieren, dass einzelne Aufgaben in unterschiedlichen, auch heterogenen IT-Systemen abzubilden sind. Prozesse und Anwendungen müssen über Zuständigkeits-/Ressort-/Unternehmensgrenzen hinweg zusammenpassen. Aus der IT entstehen Forderungen an die Organisation!Damit aber letztendlich ein effizientes Gesamtsystem erwächst, sind Standards und Schnittstellen zu definie-ren und von den an den Prozessen Beteiligten anzuwenden. Dies gilt umso mehr, als wir uns mit Riesen-schritten der Welt der „Industrie 4.0“ auch bei Streitkräften und im Bereich der öffentlichen Verwaltung nä-hern. Zur Bewältigung der Herausforderungen muss übrigens auch die IT organisatorisch zukunftsträchtig aufgestellt sein. Aus der Organisation der realen Welt entstehen Forderungen an die IT!
Wo liegen Chancen? Wo gibt es Hindernisse? Wohin gehen die Planungen für die Zukunft?
Wir möchten mit Ihnen bei unserer Koblenzer IT-Tagung am 3. September 2015 über diese und ähnliche Fragen diskutieren. Wir laden Sie zu dieser Veranstaltung mit internationaler Beteiligung ein und freuen uns auf ein interessantes Programm sowie einen unterhaltsamen Abend mit der Möglichkeit zu vielen Gesprä-chen.

Koblenzer IT-Tagung 2015

Ort:
Rhein-Mosel-Halle, Julius-Wegeler-Straße 4, 56078 Koblenz

Datum/Zeit:
Donnerstag, 03.09.2015 09:00 – 18:30 Uhr mit „Koblenzer Abend“ 18:30 – 21:00 Uhr

Fachliche Leitung:
Flottillenadmiral Dr. Thomas Daum, Abteilungsleiter Informationstechnik BAAINBw
Generalmajor Erich Staudacher, Vorstand AFCEA Bonn e.V.

Teilnehmer:
Bundesministerium der Verteidigung; Kommandobehörden, Ämter, Dienststellen und Truppenteile der Bundeswehr; Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (SOS); Institute, Verbände; Universitäten und Fachhochschulen; Industrie mit Schwerpunkt Informations- und Kommunikationstechnik; internationale Gäste.

Programm

08:00 Uhr

Beginn Registrierung

 

08:50 Uhr

Begrüßung

1 - Generalmajor Erich Staudacher, Vorsitzender AFCEA Bonn e.V.   
      Harald Stein, Präsident BAAINBw

09:15 Uhr

Grußwort des Schirmherrn

2 - Prof. Dr. Joachim Hofmann-Göttig, Oberbürgermeister Koblenz 

09:30 Uhr

Eröffnung der Tagung
(20 min+10 min Q&A)

3 - Dr. Katrin Suder, Staatssekretärin,
    
Bundesministerium der Verteidigung

10:00 Uhr

Vortrag national 1
(20 min)

4 - Dr. Dietmar Theis, Ministerialdirigent

      IT-Direktor beim Bundesministerium der Verteidigung

 

10:20 Uhr

Vortrag international  
(20 min)

5 - Koen Gijsbers, General Manager,
    
NATO Communications and Information Agency, Brüssel

10:40 Uhr

Fragen / Diskussion zu den Vorträgen

11:00 Uhr

Kaffeepause (45min)

 

11:45 Uhr

Vortrag Industrie 1
(20 min)

6 - Oliver Edinger, Vice President, Head of Internet of Things/Industrie 4.0
     
SAP Deutschland SE & Co. KG, Walldorf

12:05 Uhr

Vortrag Industrie 2
(20 min)

7 - Ingolf Wittmann, Technical Director Deutschland Schweiz und Österreich
     
IBM Deutschland GmbH

12:25 Uhr

Vortrag Industrie 3
(20 min)

8 - Johannes Nagel
  
   Sprecher der Geschäftsführung der BWI Systeme

13:15 Uhr

Mittagspause
(75 min)

 

14:30 Uhr

Vortrag national 2
(20 min+10 min Q&A)

9 - Hans-Georg Engelke, Leiter des Leitungsstabes,
    
 designierter Staatssekretär Bundesministerium des Innern

15:00 Uhr

Vortragsblock BAAINBw
(75 min)

10 - „Forum Praxis“ - BAAINBw und Dienststellen
        
EDirBAAINBw Elmar Wassenberg, Abteilungsleiter P BAAINBw

16:30 Uhr

Diskussion mit Referenten BAAINBw im Rahmen der Kaffeepause
(60 min)

17:30 Uhr

Vortrag Wissenschaft

(20 min+10 min Q&A)

11 - Prof. Dr.-Ing. Wilhelm Bauer
Institutsleiter des Fraunhofer Instituts Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO)

18:00 Uhr

Verleihung Studienpreis
 
(30 min)

12 - Generalmajor Erich Staudacher Vorsitzender AFCEA Bonn e.V., Dr.-Ing. Michael Wunder, Vorstand AFCEA Bonn e.V.

18:30 Uhr

Koblenzer Abend, Rhein-Mosel-Halle

21:00 Uhr

Tagungsende

 

Flyer der Veranstaltung zum download

Auszug aus dem Amtlichen Stadtplan der Stadt Koblenz ©
Koblenzer IT-Tagung 2015
Amt für Stadtvermessung und Bodenmanagement
Koblenzer IT-Tagung 2015

Zu den Vorträgen

Zum elften Mal hat am Donnerstag, 3. September 2015, die Koblenzer IT-Tagung in der Rhein-Mosel-Halle stattgefunden. Die beiden Veranstalter Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) und das Anwenderforum für Fernmeldetechnik, Computer, Elektronik und Automatisierung Bonn e.V. (AFCEA) beleuchteten aus verschiedenen Perspektiven das Thema „Digitaler Wandel – IT ‚organisiert‘ “.

„Die Veranstaltung hat eine lange Tradition und eine gute Unterstützung“, eröffnete Generalmajor Erich Staudacher, Vorsitzender AFCEA Bonn e.V. die Koblenzer IT-Tagung. „Sie hat sich konsequent weiterentwickelt und innovative Themen aufgegriffen“, ergänzte Generalmajor Klaus Veit, Vizepräsident BAAINBw. Nach einem gewohnt anekdotenreichen, launigen Grußwort von Prof. Joachim Hofmann-Göttig, Oberbürgermeister der IT-Stadt Koblenz und Schirmherrn der IT-Tagung, folgten die Fachvorträge.

Digitaler Wandel als Thema des vergangenen Jahrtausends?

Im Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) beschäftige man sich bereits seit dem
vergangenen Jahrtausend mit dem Thema Digitaler Wandel, stellte Dr. Dietmar Theis, ITDirektor beim BMVg, fest. Seither gehe es um die Frage, wie „der Moloch IT beherrscht“ werden könne. Die Bundeswehr habe hier sehr viel Erfahrung und vieles ausprobiert – und wieder geändert. Die Treiber für die Entwicklungen seien unterschiedlich: Theis nannte unter anderem den Siegeszug von PCs, Smartphones oder aktuell Big Data und Industrie 4.0.

Zielsetzung der kommenden IT-Strategie

Für die Bundeswehr sei es sehr schwer, bei den schnellen Entwicklungszyklen der IT mitzuhalten, daher seien Änderungen bei Entwicklung und Beschaffung unumgänglich. Theis stellte Grundzüge der neuen IT-Strategie des BMVg vor, die Ende des Jahres fertigstellt werden soll. Zielsetzung sei eine modulare, serviceorientierte Architektur, die Transformation von Führungsinformationssystemen und die weitere Einführung von SASPF – wenn auch mit Anpassungen. Man wolle mehr mobile IT und unter anderem damit auch die Attraktivität der Bundeswehr unterstützen.

Für eine bessere Reaktion der Bundeswehr auf neue IT-Entwicklungen müssten laut Dr. Katrin Suder, Staatssekretärin im BMVg, Beschaffungsprozesse angepasst werden. Weitefehle eine Gesamtarchitektur und Strategie, aus der man schnell Bedarfe ableiten kann. Noch immer seien die IT-Zuständigkeiten in der Bundeswehr zersplittert. Dr. Theis setzte hier auf die Weiterentwicklung der BWI nach dem Wechsel in die Inhousegesellschaft Ende 2016. Nach der von der Staatssekretärin gebilligten BWI-Strategie soll die BWI künftig zum IT-Systemhaus der Bundeswehr und als Dienstleistungszentrum des Bundes ausgebaut werden, mit zusätzlichen Aufgaben und einem eigenen Innovationsmanagement.

IT muss Führungsfähigkeit herstellen

„Wir haben verstanden, wo wir hinmüssen“, sagte Johannes Nagel, Sprecher der Geschäftsführung der BWI Systeme, auf die Ausführungen. Nach der Modernisierung und im aktuellen Betrieb der nichtmilitärischen IT sei man auf einem guten Stand, aber niemand dürfe sich darauf ausruhen. „IT muss die Führungsfähigkeit sicherstellen“, sagte Nagel. Darum sind hohe Verfügbarkeit, Sicherheit und die Möglichkeit zur schnellen Entstörung entscheidend und würden künftig weiter an Bedeutung zunehmen.

„Terminator lässt grüßen“

Gerade das Internet der Dinge mit seiner Autonomie und Vernetzung führe zu Herausforderungen, die heute noch nicht überblickt werden können, blickte Theis in die Zukunft. Er nannte als Beispiel Roboter-Armeen, die sich verselbstständigen könnten. „Das sind Entwicklungen, bei denen Terminator grüßen lässt.“
Oliver Edinger, Vice President, Head of Internet of Things/Industrie 4.0, SAP Deutschland, bestätigte mit seinen Ausführungen dieses Szenario: „Bis zum Jahr 2020 werden etwa 50 Milliarden Geräte vernetzt sein.“ Die kostengünstige und schnelle Verfügbarkeit von Rechenleistung, Bandbreite und Auswertemöglichkeiten würden diese Entwicklungen weiter treiben – die Anforderungen an die IT-Sicherheit erhöhten sich dafür ebenfalls. „Es geht nur noch im Daten“, ergänzte Ingolf Wittmann, Technical Director, IBM Deutschland. „Sie bestimmen unser Leben und unser Verhalten.“

Bedeutung von Cyber- und IT-Sicherheit wächst

Einigkeit herrschte bei allen Vortragenden, dass die Bedeutung von IT-Sicherheit weiter wachsen wird. Hans-Georg Engelke, Staatssekretär des Bundesministeriums des Innern, sieht Gesellschaft und Staat am Beginn einer neuen Digitalisierungswelle, in der der Staat den Auftrag habe, Freiheit und Sicherheit seiner Bürger zu schützen und zu gewährleisten. Hier müssten staatliche Institutionen noch enger zusammenarbeiten. Dagegen gebe es trotz NSA-Skandal und massenhafter IT-Angriffe für Wirtschaftsspionage nach wie vor eine verbreitete „digitale Sorglosigkeit“ in der Gesellschaft.

Katrin Suder betonte, dass Cyber-Angriffe bereits „seit gestern“ Realität seien und die
Möglichkeiten sich zugunsten von asymmetrischen Kräften entwickelten. Auch sie forderte eine intensivere Zusammenarbeit zwischen den Ressorts und lobte ausdrücklich die ersten Konsolidierungsschritte des Bundes – auch wenn es noch ein weiter Weg sei.

Koen Gijsbers, General Manager, NATO Communications and Information Agency, stellte den Stand der Reform in seiner Agentur vor und die Anforderungen an die Lösungen. In ein bis zwei Jahren werde man einen vollständig bepreisten Servicekatalog haben. Zielsetzung aller IT-Lösungen für die Alliierten seien „Mobilität und dabei sicher, Konnektivität bei geringen Bandbreiten und Interoperabilität“. Hieran sollten sich auch die Industrielösungen orientieren.

Im “Forum Praxis” stellten unter der Moderation von Elmar Wassenberg, Abteilungsleiter Ausrüstungsmanagement und Strategie (P) im BAAINBw, die verschiedenen Abteilungen des BAAINBw das Leistungsprofil des IT-Systems der Bundeswehr dar und welche Rolle die IT und ihre Organisation bereits im täglichen Geschäft in allen Bereichen der Ausrüstung und Nutzung spielte. Das Publikum hatte hier im Nachgang die Möglichkeit, Themen im Einzelnen zu vertiefen.

AFCEA Studienpreis verliehen

Auch in diesem Jahr wurden bei der Koblenzer IT-Tagung wieder herausragende Studienarbeiten im Themenbereich Informatik, Nachrichten- und Automatisierungstechnik - verfasst von jungen Akademikern an Hochschulen und Universitäten der Regionen Bonn und Koblenz - mit einem Gesamtvolumen von rund 15.000 Euro ausgezeichnet.

Zum Studienpreis 2015

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