„IT organisiert Informationen – Intelligentes Finden – eine Utopie?“

12.11.15 AFCEA Zukunfts- u. Technologieforum 2015

Zeit:                                    Donnerstag, 12. November 2015, 9:00 - ca. 17:00 Uhr
Ort:                                     Fraunhofer-Institut für Kommunikation, Informationsverarbeitung und Ergonomie FKIE
                                          Fraunhoferstr. 20, 53343 Wachtberg
Projektverantwortlicher
von AFCEA Bonn e.V.:
      Dr. Michael Wunder, Vorstand AFCEA/Fraunhofer FKIE  

Einladung zum download

Programm

Durch die fortschreitende Digitalisierung wird es zunehmend wichtiger und auch schwieriger, das Datenaufkommen zu bewältigen. Technologien, die versuchen, die Welt des „Big Data“ dem Nutzer wieder zugänglich zu machen, begegnen uns im Alltag von der Internet- Suchmaschine bis hin zur automatischen E-Mail-Sortierung. Aktuelle Technologien in diesem Bereich reichen von der „Semantischen Suche“ bis hin zur „Predictive Analysis“ – dem intelligenten Finden.
Wir haben wieder hochkarätige Referenten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Bundeswehr gewinnen können, die das Thema aus verschiedenen Perspektiven betrachten und mit Ihnen über die unterschiedlichen Aspekte diskutieren.

Herausforderungen im Umgang mit Massendaten
Oberstleutnant André Mundt – Logistikzentrum der Bundeswehr

EnArgus - Zentrales Informationssystem Energieforschungsförderung
Dr. Leif Oppermann – Fraunhofer FIT

Herausforderung „Big Data“ - Sprachenunabhängiges konzeptionelles Verstehen
Helmut Schmitt – HP

Human Centric Security Visualizer – Usable Security for Administrators
Prof. Dr. Matthew Smith – Universität Bonn / Fraunhofer FKIE

Intelligentes Finden - einige Beiträge der Computerlinguistik
Prof. Dr. Ralf Klabunde – Universität Dortmund

Assoziative neuronale Netze zur Klassifizierung von Massendaten
Hauptmann Markus Riebschläger – Informationszentrum C-IED

Entdeckungsreisen in großen Datenmengen mit Semaril - Überraschende Erkenntnisse durch hochinteraktive Visualisierung
Dr. Horst Werner – Revelon

Wegbereiter in das Zeitalter der lernenden und kognitiven Systeme
Marcus Gross – IBM

Maschinelle Lernverfahren in der konzeptbasierten Suche
Dr. Jan Puzicha – Recommind

"Im digitalen Land der Roten Königin“, oder: „Wie können wir unsere Daten schützen?"
Prof. i.R. Dr. Thomas Christaller

Bericht über die Veranstaltung

Das Thema des diesjährigen AFCEA-Zukunfts- und Technologieforums war „IT organisiert Informationen – Intelligentes Finden – eine Utopie?“ Dazu sollte mit einer begrenzten Teilnehmerzahl ausführlich diskutiert werden. Das ist insbesondere deshalb in ausgezeichneter Weise gelungen, weil durch die zehn Vorträge aus Wissenschaft, Wirtschaft und Bundeswehr das Thema aus verschiedenen Perspektiven angerissen und betrachtet wurde und weil die diskussionsfreudigen Teilnehmer durch ihre Fragen, Anmerkungen die Diskussion weiter vertiefen und anreichern konnten. Insgesamt ist zu sagen, dass es durch die fortschreitende Digitalisierung zunehmend wichtiger und auch schwieriger wird, das anfallende Datenaufkommen zu bewältigen sowie die jeweils relevanten Informationen den Daten zu entnehmen. Technologien, die versuchen, die Welt des „Big Data“ dem Nutzer wieder zugänglich zu machen, begegnen uns im Alltag von der Internet-Suchmaschine bis hin zur automatischen E-Mail-Sortierung. Aktuelle Technologien, wie sie in den Vorträgen vorgestellt und diskutiert wurden, reichen zum Beispiel von der Semantischen Suche bis hin zur „Predictive Analysis“.

Nach der Begrüßung durch AFCEA hat Herr Prof. Schade vom Fraunhofer-FKIE die Moderation übernommen und durch den Tag geführt.

Der erste Vortragende, Herr OTL André Mundt von der Projektgruppe SASPF des Logistikzentrums der Bundeswehr in Wilhelmshaven, hat die Herausforderungen der Bundewehrlogistik im Umgang mit Massendaten illustriert und dabei das beeindruckend große Spektrum der Herausforderungen in seinem Verantwortungsbereich geschildert. Zu diesen Herausforderungen gehört es auch, viele Millionen von Daten mit den operativen Aufgaben der Bundeswehr in ihren Einsätzen, aber auch mit den organisatorischen Veränderungen im Inland in Einklang zu bringen, so dass die Bundeswehr ihre Aufgaben mit optimaler logistischer Unterstützung erfüllen kann.

Herr Dr. Leif Oppermann vom Fraunhofer-FIT hat die Problematik, semantisch sinnvolle Ergebnisse bei der Suche in Massen an Dokumenten zu finden, anhand des BMWi-Projektes EnArgus (www.enargus.de) für die Energieforschungsförderung in Deutschland illustriert. Bei diesem Projekt arbeitet ein Konsortium aus 10 Partnern zusammen, um zunächst mithilfe fachlicher Spezialisten Wiki-Texte zur Energieforschung zu erstellen, die dann mit computerlinguistischen Verfahren halbautomaisch in Ontologien überführt werden. Mit dem so verfügbar gemachten Kontextwissen lassen sich über ein zentrales Informationssystem, welches unter der o.a. auch der interessierten Öffentlichkeit zugänglich ist, die gewünschten Informationen „intelligent“ auffinden.

Herr Helmut Schmitt von Hewlett Packard hat in seinem Vortrag die Herausforderungen von „Big Data“ geschildert und die Bedeutung der nicht-strukturierten Daten, wie Texte, Bilder und Videos herausgestellt. Dies konnte Herr Schmitt mit zahlreichen Beispielen untermauern, wobei besonders die Lösungen zu den Video-Analysen in Realzeit beeindruckten. Darunter befanden sich etwa die Erkennung von Nummernschildern und Fahrzeugtypen im fließenden Verkehr sowie die Erkennung von Personenverhalten auf U-Bahn-Bahnsteigen.

Herr Prof. Mathew Smith hat den Bedarf an „Usable Security for Administrators“ vorgestellt und geschildert, wie in einem Projekt mit interdisziplinärer Beteiligung Lösungen für einen Human Centric Security Visualizer geschaffen werden. Ziel muss es sein, die Komplexität für den Nutzer im Umgang mit Systemen so zu reduzieren, dass er Sicherheit nicht mehr als lästig empfindet. Mit einem Augenzwinkern stellte Mathew Smith fest, dass die vergleichsweise junge Disziplin Informatik eine Mischung aus Ingenieurwissenschaften und Kunst sei, wobei die Sicherheitskonzepte derzeit eher durch den künstlerischen Zweig dominiert seien.

Herr Prof. Ralf Klabunde, Direktor des Sprachwissenschaftlichen Instituts an der Ruhr-Universität Bochum präsentierte die computerlinguistische Sicht auf die automatisierte Auswertung von Texten aller Art. Er illustrierte die Problematik durch Beispiele zur Verwendung von Adjektiven in Suchanfragen, deren angemessene Interpretation stets die Bestimmung der Vergleichsklasse und die Ableitung einer Skala voraussetzt. Ein zweiter Fokus lag auf der in einigen Kontexten angemessenen Möglichkeit, auf Suchanfragen „indirekt“ zu antworten.

Herr Hauptmann Markus Riebschläger vom Informationszentrum C-IED am KSA in Grafschaft stellte seine Lösung zur Klassifizierung von Massendaten vor. Er beeindruckte die Teilnehmer durch seine Entwicklung, die auf sehr effiziente Weise offene Quellen auswertet und dabei kontinuierlich statistisch erzeugtes Hintergrundwissen ablegt, welches die Präzision der Suchergebnisse deutlich verbessert und so dabei hilft, relevante Fakten von Unwesentlichem zu unterscheiden.

Herr Florian Landrebe von der Firma Revelon, einem SAP-Spin-Off, stellte mit Semaril eine hochinteraktive Visualisierungslösung zur „Entdeckungsreise in großen Datenmengen“ vor.  Semaril erlaubt es, sehr große Mengen an Datensätzen grafisch auf vielfältige Weisen zu gruppieren, zu schneiden, zu mischen usw., wodurch Zusammenhänge direkt erkennbar werden. Der Analyst geht quasi „spielerisch“ mit den Massendaten um und findet während der Manipulationen sehr einfach und schnell Erkenntnisse über Beziehungen und Entwicklungen in einem riesigen Datenbestand.

Herr Marcus Groß von der IBM erläuterte das System Watson als Wegbereiter in das Zeitalter der lernenden und kognitiven Systeme. Watson sei eine intelligente Lösung für die Bewältigung sehr komplexer Fragen in bestimmten Domänen, bei denen zuvor Kontextwissen erstellt wurde.

Herr Dr. Jan Puzicha von der Firma Recommind stellte eine von der Firma entwickelte Lösung zur Konzeptextraktion aus Texten vor, bei der auf der Grundlage eines Korpus aus Textdokumenten über auftretende Worthäufigkeiten durch die Anwendungen statistischer Abschätzungen zunächst unbezeichnete „Konzepte“ generiert werden, deren Auftreten in den Dokumenten dann wiederum eine Klassifikation der Dokumente ermöglicht. Der Vortrag beeindruckte insbesondere deshalb, weil das genutzte Verfahren in sehr gut nachvollziehbarer Weise aufgezeigt wurde.

In dem Abschlussvortrag regte Herr Prof. Dr. Thomas Christaller ein Umdenken in Bezug auf den sorglosen Umgang mit Computern an. Durch die Trennung von der Information und der Datenhaltung und der Verarbeitung lassen sich bei Informationen oft weder Ursprung noch Eigentum feststellen. Informationen sind ein flüchtiges Gut, das besser zu schützen sei. Herr Prof. Christaller forderte eine bessere Regulierung von IT-Equipment und zeigte Analogien zu anderen Infrastrukturen auf (bspw. Straßenverkehr), bei deren Nutzung die Akzeptanz von Identifikationsnachweis (Nummernschild), Regelwerk (StVO) und Nachweis der Eignung (Führerschein) eine Selbstverständlichkeit sei.