14. Koblenzer IT-Tagung: Wie die Bundeswehr im Wettlauf um KI mithält

14. Koblenzer IT-Tagung: Wie die Bundeswehr im Wettlauf um KI mithält

Auf großes Interesse stieß wieder die Koblenzer IT-Tagung. Foto: Derr

Nach zwei Jahren Pause hat sich die Koblenzer IT-Tagung vom Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) und dem Anwenderforum AFCEA Bonn e.V. am Dienstag, 30. August, mit dem Thema „(Künstliche) Intelligenz (KI) und Innovation – Chancen für Mensch und Technik“ beschäftigt.

Knapp 400 Gäste nahmen an der 14. Tagung teil, die sich nach Einschätzung von Henry-Günter Neumann, stellvertretender Vorsitzender AFCEA Bonn e.V. und Co-Moderator der IT-Tagung, längst zu einem weiteren Flaggschiff der jährlichen AFCEA-Veranstaltungen etabliert hat und eine bedeutende Veranstaltung für die IT der Bundeswehr geworden ist.

Besonderheit und Zielsetzung der Veranstaltung sei es, alle Verantwortliche aus Bundeswehr, Industrie und Forschung zusammenzubringen, Bedarfe zu definieren und zu diskutieren, wie sie umgesetzt werden können, sagte Brigadegeneral Michael Hauschild, Abteilungsleiter Informationstechnik BAAINBw und Co-Moderator, in seiner Eröffnung.

Künstliche Intelligenz ist, so Neumann, eine Vokabel geworden, die für viele selbstverständlich geworden ist, ein Buzzword, bei dem jedoch Definition und Verständnis auseinandergehen. Innovation wird dabei häufig im Sinne von neuen Ideen und Erfindungen verwendet, die mit einem vernünftigen Aufwand umgesetzt werden können. Erst mit ihrer Implementierung wird aus einer Invention eine Innovation. KI und Innovation bedingen einander, ergänzen einander und fördern einander. Unter dem Einfluss von KI und Innovation sind die Rolle und die Nutzung der IT im Kontext der inneren und äußeren Sicherheit wahrscheinlich neu zu gestalten. Auch haben KI und Innovation nicht nur eine technische, sondern auch eine ethische Dimension.

Bundeswehr, Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) müssen sich permanent den wechselnden Bedrohungen der inneren und äußeren Sicherheit anpassen und auf neue Gefahren reagieren können. KI und Innovation werden dabei als ein Mittel betrachtet, mit dem dieser Anpassungsprozess gestaltet werden kann. Als Beispiel nannte Hauschild die Flugzeugentwicklung: Ohne Flugzeuge hätte es nicht die Notwendigkeit für Luftstreitkräfte gegeben. Jetzt gehe es darum, die Notwendigkeiten zu erkennen, die sich aus der Entwicklung von KI ergeben. David Langner, Oberbürgermeister der Stadt Koblenz und Schirmherr der Veranstaltung betonte das gute Miteinander mit der Bundeswehr und appellierte an die Teilnehmenden, diese Veränderungen und Entwicklungen mit Tradition, Ängsten und Sorgen in Einklang zu bringen.

Mit einem Blick auf Definitionen und Regularien steckte Dr. Germar Schröder, PwC Strategy& den Rahmen für die Veranstaltung. KI sei keine Science Fiction mehr, längst habe ein Wettrennen eingesetzt. Defizite, die jetzt entstehen, würden zu neuen Abhängigkeiten führen. Die militärische Community habe ein besonderes Interesse am Einsatz von Künstlicher Intelligenz, weil man sich dadurch Informationshoheit und –überlegenheit erhoffe, sagte Prof. Dr. Wolfgang Koch, Fraunhofer-Institut für Kommunikation, Informationsverarbeitung und Ergonomie (FKIE), Chief Scientist and Head Sensor Data & Information Fusion. Der Mensch müsse bei allen Entwicklungen im Mittelpunkt stehen. Nach Ansicht Kochs liegt die Zukunft erfolgreicher KI-Lösungen in der Kombination aus Mensch mit KI, nicht entweder oder. Laut Harald Mannheim, Airbus, Vice President Head of Defense Solutions, benötigt es dazu digitales und gemeinsames Denken „outside the box“.

Für Dr. Gundbert Scherf, Präsident Helsing AI, werden digitalisierte Kräfte neben der reinen Masse ein immer wichtigerer Faktor in Konflikten, wie es derzeit auch der Ukrainekrieg zeigt. Insbesondere mit Künstlicher Intelligenz könnten Sensor-Entscheider-Effektor-Ketten schneller und intelligenter gestaltet werden, und Fähigkeiten müssen adaptiv und updatefähig werden. Professor Dr. Beatrix Palt, INP Institut für Nachhaltiges Projektmanagement, betrachtete Innovationen aus der Perspektive der Expertiseforschung. Entwicklungen entstehen demnach entweder durch intensives Üben und Perfektionieren oder durch regelmäßiges Problemlösen.

Zwei Panels zu Künstlicher Intelligenz und Innovation vertieften das Thema aus sehr verschiedenen Perspektiven. Unter der Leitung von Prof. Dr. Koch, FKIE, sprachen Prof. Dr. Peter Martini, FKIE, Jörg Eschweiler, Head of Intelligence & Cybersecurity, ATOS Public Sector & Defence Germany, Reiner Louis, Computacenter, Sprecher der Geschäftsführung sowie Dr. Alexander Wille, ESG, Team Lead Data Analytics zur Künstlichen Intelligenz. Über Innovation im zweiten Panel sprachen unter Leitung von Prof. Dr. Palt mit GenLt Dr. Ansgar Rieks, Stellvertretender Inspekteur Luftwaffe, GenMaj Wolfgang Gäbelein, Amtschef Planungsamt Bw, Harald Mannheim, Airbus, Vice President Head of Defense Solutions, Marc Akkermann, Infodas, Director Sales & Head of Berlin Office, und Kenza Ait Si Abbou, IBM, Director Client Engineering DACH.

Der Tag endete mit einem Blick über den Tellerrand der Digitalisierung der Bundeswehr. Mete Boz, Mitbegründer des Chaos Computer Clubs Düsseldorf stellte den Düsseldorfer Hackerspace „Chaosdorf“ vor, an dem Menschen durch Ausprobieren und eigene Projekte an die IT herangeführt werden.

In Ihren Schlussworten luden die beiden Co-Moderatoren bereits für die 15. Koblenzer IT-Tagung am 14.09.2023 – dann wieder in der Rhein-Mosel-Halle - ein.